Keine Sozialwohnungen für Roma

Kardinal Tettamanzi gegen Bürgermeisterin von Mailand

ROM, 13. Oktober 2010 (ZENIT.org).- Der Mailänder Erzbischof Dionigio Tettamanzi hat die Mitte-Rechts-Regierung der Wirtschaftsmetropole wegen ihres plötzlichen Kurswechsels in der Integrationspolitik von Roma-Nomaden scharf angegriffen. Angeprangert wurde in einem offiziellen Brief der Kurie vom 7. Oktober die Nichteinhaltung eines Abkommens zwischen der Kommune und verschiedenen karitativen Organisationen der Diözese, die mit der Verwaltung der Nomadensiedlungen betraut waren.

In dem im Rahmen eines nationalen Sicherheitspakets geschlossenen Vertrags sicherte der Stadtrat 25 Roma-Familien der bereits schon teilweise geräumten Elendssiedlung der Via Triboniano eine Sozialwohnung zu. Die Nomadensiedlung liegt an einer Bahnlinie am nordwestlichen Stadtrand und ist mit 35 Personen eine der größten der Stadt. Die ausgewählten Familien erfüllen alle Requisiten für die Zuteilung einer Sozialwohnung: Es sind seit langem legal in Italien lebende rumänische Roma mit geregelter Arbeit. Ihre Kinder besuchen italienische Schulen in der Nähe des Camps. Die Umsiedlung in Sozialwohnungen sollte der erste Schritt einer staatlich geförderten Integration der Roma in Mailand sein. Für die Renovierung der zum Teil sehr heruntergekommenen Wohnungen hatte die Diözese Freiwillige organisiert, die Mittel versprach die Kommune bereitzustellen.

Die ersten Termine der Übergabe verstrichen, ohne das etwas passierte. Stattdessen hat die Lega Nord im Zuge der herannahenden Kommunalwahlen die Bürgermeisterin Letizia Moratti mit einer populistischen Kampagne unter Druck gesetzt. Flugblätter mit dem Slogan „keine Sozialwohnungen für Nomaden“ werden seit Wochen von Mitgliedern der Partei vor dem Dom und anderen Kirchen verteilt, die Stadt ist Plakaten mit ausländerfeindlichen Aufrufen gepflastert.

Nachdem die Kurie den Stadtrat wiederholt aufgefordert hatte, den Vertrag zu respektieren, erhielt sie letzten Freitag nur die schroffe Antwort des Vizebürgermeister Riccardo De Corato: Die Kirche solle die Roma-Familien doch selbst in einer ihrer reichen Immobilien beherbergen!

Kardinal Tettamanzi antwortete darauf, dass es nicht anginge, dass die Stadt ihre Sozialprobleme der Kirche überlassen wolle. Sie würde, geblendet von den Verschönerungsaktionen für das Expo-Projekt, ihre Augen verschließen vor dem Elend vieler ihrer Bewohner.

In dem Schreiben hat Tettamanzi rechtliche Schritte gegen die Stadt angekündigt, sollten die besagten Wohnungen nicht in Kürze übergeben werden. Den obdachlosen Familien droht ein Winter im Freien.